Kommentar image-scene: Die Ereignisse sind bekannt: Krise, Angst, Lohnstopp, Ungewissheit. Mehrere tausend Mitarbeiter im Foto-Finishing erleben gegenwärtig das an der eigenen Person, mit der eigenen Familie, was man eigentlich nur anonym aus der Zeitung oder vom Fernsehschirm kennt: Arbeitslosigkeit oder soziale Ungewissheit. Nein! Es tröstet nicht, dass man schon heute oder vielleicht demnächst dieses Schicksal mit vielen Menschen in dieser Zeit teilt.
Auch nicht die Gewissheit, dass es im Osten dieser Republik Regionen mit Arbeitslosigkeit weit jenseits der 20 Prozent Marke gibt. Das ist weit weg, abstrakt wie Arbeitsmarktzahlen. Und überhaupt: Statistik taugt nicht zum Anfassen. Fassungslos starrt da jeder auf den eigenen Kontoauszug. Rückschritt, Zusammenbruch – und das in der erfolgverwöhnten Digital Imaging Branche. Das Schlimmste ist die eigene Ohnmacht, die Gewissheit einfach selbst nicht Schuld, nicht Verantwortlich zu sein. Der ständige Gedanke an die eigentlichen Ursachen, Fragen, Fragen! Keine Verwerfungen an der Börse, kein Zusammenbruch eines politischen Systems wie mit der DDR, keine überalterte Technologie, wie bei der Steinkohle oder im Tagebau. Die Suche nach Antworten führt den Blick über die Tagesereignisse hinaus.
Zur Ursachenforschung: Der Preiskrieg - ja bekannt. Der Wechsel von der Analog- zur Digitalfotografie – ja sicher auch. Das Selberdrucken - beim digitalen Bild möglich aber eigentlich sehr sehr teuer. Dennoch bleibt die Frage bestehen: warum geriet das Großfinishing (dieser aktuell in Schwierigkeiten steckenden Fotolaborgruppe) in eine derartige Krise, wo doch heute zehnmal, zwanzigmal mehr Bilder geknipst werden, als noch vor einiger Zeit mit der guten alten Kleinbildkamera. Wo Fotografie mehr in aller Munde ist - als jemals zuvor.
Wo werden die digitalen Prints gemacht?
Strukturänderung: Haben viele Verantwortliche in dieser Branche – und auch sicher manche Fotohändler - nicht rechtzeitig erkannt, dass Digitalfotoaufträge (ganz anders als beim Film) längst auch da abgeholt werden (können), wo sie auflaufen: auf dem PC des Kamerabesitzers? Dort wo die Bilder abgeladen und gespeichert werden – auf dem heimischen PC im Wohn-, Arbeits- oder Kinderzimmer; dort können Fotoaufträge organisiert, ausgelöst, abgegeben werden. Und damit in immer stärkerem Maße zusätzlich und in Konkurrenz zum Fotoladen und allen anderen Annahmestellen.
Die „digitale Auftragstasche“ für Zuhause ist längst Realität!
Internet Photo Print Service nennt sich diese Technologie der Digitalbild Übertragung via Internet, die im Wettbewerb mit den (oft viel zu kompliziert oder nur zeitweise funktionierenden) Speicherkarten-Ablade-Terminals um die Gunst der Kunden bereits gewonnen hat. Mehrere hundert unterschiedliche Anbieter bieten in immer perfekteren Versionen diese Software UpLoad Clients und kümmern sich intensiv bis liebevoll um ihre Kunden. Die jetzt in die Krise geratene Gruppe hat dieses Thema viel zu halbherzig und mit quälend komplizierter, überfrachteter Software (in einem viel zu geschlossenen System - kpco) betrieben. Die Mitbewerber bieten seit Jahren – offene, für unterschiedliche Unternehmen adaptierbare Interfaces mit deutlich besseren Übertragungs- und individuelleren Gestaltungsmöglichkeiten an. Und ermöglichen somit Fullfillment im besten Sinne.
Löblich war sie durchaus, die einst als Kernidee am Anfang stehende Selbstverpflichtung zur bedingungslosen Integration des Fachhandels in die neue Fotowelt. Nibelungentreue - die zum Verhängnis wurde? Und überhaupt - wie dies dann softwaretechnisch „handwerklich“ realisiert wurde, glich dem Weg des Kamels durch ein Nadelöhr. Jenseits der 20, 30 Klicks für einen Bestellvorgang löst sich der beste Wille eines gutmütigen, markentreuen Kunden nur noch in Stress und Wut auf. Überzogen komplizierte Software – jenseits jeglicher Usability – bedienbar vielleicht nur noch von den Programmierern selbst, wird zum Alptraum! Andere haben längst bewiesen, dass dies auch einfacher, eleganter geht: das Bestellen von Fotos via Internet. Und so gehen auch hier Tag für Tag Kunden verloren und Arbeitsplätze geraten in Gefahr.
Während das Management im Haus noch tapfer an der Preisfront – wer produziert das billigste 9x13cm Bild – kämpfte, hat sich draußen im Land längst ein umfassender Wettbewerb aufgestellt. Legitim für die vielen „jungen“ Unternehmen, die sich mit vielen tollen Ideen, mit Minilabs oder als Partner der beiden großen Konkurrenz-Finisher Gruppen dieser technologischen Herausforderung „Internet Foto Service“ stellen. Bitter für das große „alte“ Unternehmen – das alles das (auch in seinem Europawahn) nicht so wichtig nahm. Sicher auch ein weiterer der vielen Gründe für die Krise: höchste Zeit für's Umdenken und für bessere Software!
Peter Walz
10.3.04 00:53
Weitere Meldungen zuBHG:
Kodak verliert Technologie Kompetenz... >> Ende der Laborkrise: Was überlebt?... >> Kodak kündigt Finanzierungszusage... >> Das Aus: Keine Entwicklung mehr... >> Kodak ohne Labor... >> Kodak-Labor in Stuttgart schließt... >> Fotolaborstandort Stuttgart vor dem Aus ?... >> Chronologie der Fotolabor-Krise... >>
Wichtige Hersteller - Die Nachrichtenübersicht nach Firmen geordnet >> Lieber Bilder anschauen? Aktuelle Produktfotos >>
Die derzeit meistgelesenen News auf image-scene finden Sie hier >>
Digitalfoto-Produkte und -Services nach Rubriken:
NEUES BEI DIGITALKAMERAS & BILDAUFNAMETECHNIK
Sanyo: Mini-Camcorder im Pocket-Format> Hochauflösung im Pocket-Format: Die neue Xacti PD1 von SANYO - Mini-Camcorder punktet mit Full HD Videos, 10-Megapixel-Fotos und 3-fach optischem Zoom. >>
Epson LED-Technologie für präzise Scans> Der Epson Perfection V330 Photo ermöglicht anspruchsvollen Foto-Enthusiasten durch seine eingebaute Durchlichteinheit die Digitalisierung von Dias und Negativ-Streifen >>
pixafe erscheint in Version 7> pixafe - die Bilderdatenbank - erscheint in Version 7 und bietet nun z.B. die Verwaltung von Filmen, beliebige Suchanfragen und vieles mehr. >>
pixafe erscheint in Version 7> pixafe - die Bilderdatenbank - erscheint in Version 7 und bietet nun z.B. die Verwaltung von Filmen, beliebige Suchanfragen und vieles mehr. >>
Lightroom 3.2 und Camera Raw 6.2 ab sofort verfügbar> München, 31. August 2010 – Adobe hat heute die finalen Versionen zweier Updates angekündigt. Lightroom 3.2 und Camera Raw 6.2 können ab sofort von der Adobe-Webseite heruntergeladen werden. Die >>
myphotobook startet TV-Werbung> Berlin, den 07.09.2010 – Europas führender Fotobuchanbieter myphotobook startet in dieser Woche seine erste Fernsehkampagne - „So einfach und günstig, dass fast alles ein Fotobuch wert ist.“ >>
bild.sprachen2010 – Messe für angewandte Fotografie> bild.sprachen2010 – Messe für angewandte Fotografie - 07./08. Oktober im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.
Die Messe für angewandte Fotografie präsentiert sich international in Europas Kulturhauptstadt. >>