Digitalfotografie: Digitale Vergesslichkeit - Der Gedächtnislücke entgegenwirken
Die Fotografie boomt - 1.000 Klicks in der Sekunde alleine in Deutschland vermeldete jüngst der Photoindustrie-Verband e.V. Die Archivierung von Bilddaten ist eines der zentralen Themen, mit dem sich heute jeder auseinandersetzen sollte, der auch morgen noch auf seine Aufnahmen zurückgreifen möchte. Viele Optionen stehen den Anwendern mit der Festplatte oder Speichermedien wie CD und DVD offen. Viele Fotografen greifen auf die doppelte Datensicherung zurück, um auf der sicheren Seite zu sein.
Bislang ging man davon aus, dass die von Millionen zur Datensicherung genutzten CD- und DVD-Rohlinge für die Datensicherung prädestiniert sind. Neueste Untersuchungen haben, wie das "c’t" Fachmagazin erst kürzlich veröffentlichte, längst nicht so eine Haltbarkeit, wie angenommen. Selbst höherpreisige und speziell für die Langzeitarchivierung gefertigte Datenspeicher können unter extremen Bedingungen schneller altern als bislang angenommen. Die Haltbarkeit von Datenrohlingen wird mit drei bis fünf Jahren angegeben. Aus diesem Grund sollte man spätestens dann die Scheiben kontrollieren und gegebenenfalls die Daten auf neue Speichermedien kopieren. In der Fachwelt stellen selbstgebrannte Datenträger kein Archiv dar - es seien Verbrauchsmaterialien, die sich "höchstens zum Transport" eignen, so Matthias Hemmje, Professor für Multimedia- und Internet-Anwendungen an der Fernuniversität.
Laut Wirtschaftswoche wurden in der Menschheitsgeschichte - ob Kultur oder Kommerz - noch nie derart viele Informationen produziert wie heute. So beträgt die Menge des weltweit digital gespeicherten Wissens schon jetzt schätzungsweise eine Trillion Byte. Würde diese Datenmenge auf CD gespeichert, wäre der Stapel fast 200.000 km hoch. Hinzu kommen noch die vielen gespeicherten Daten der privaten Anwender. Gehen wir von durchschnittlich 20 Bilddaten-CDs pro Bundesbürger pro Jahr aus, so kommen alleine aus diesem Bereich 1,6 Billionen CDs hinzu.
Mit der gigantischen Datenflut steigt das Risiko des Datenverlustes, auch, wenn die Datenspeicherung der Modernen, mächtig und leistungsstark wirkt. An die Langlebigkeit historischer Medien reicht diese Technologie jedoch nicht heran. Denken wir nur an die Bücher aus dem Mittelalter, die Papyrusrollen der Pharaonen oder die ersten Schriftdokumente. Forscher prophezeien unserem digitalen Zeitalter düstere Zeiten. Es drohe der Totalverlust des gespeicherten Wissens unserer Zeit, so die Wissenschaft. Ohne konstante, aufwendige Datenpflege sei davon in einigen Jahrhunderten womöglich nichts mehr übrig.
Ausgerechnet der technische Fortschritt stellt die größte Bedrohung für den digitalen Totalverlust dar. Dies liegt aber nicht nur an den Speichermedien selbst, sondern auch an den Weiterentwicklungen neuer Hard- und Software. Heute halten sogenannte Blu-ray Discs Einzug, deren Kapazität zehnmal so hoch ist, wie die von aktuellen CDs. Die Industrie arbeitet längst an der nächsten Speicher-Generation - 300 GB sollen künftige Holodisks fassen. Einher damit gehen neue Lesegeräte. Heute bietet kein PC-Hersteller mehr seine Rechner mit 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerken an, und die Wenigsten können sich noch an die 5,25 Zoll Floppy-Disks erinnern. Fazit: Selbst sorgfältig gepflegte Datenbestände sind nicht mehr zugänglich, wenn die entsprechenden Lesegeräte nicht verfügbar sind.
Tipps zur Bilddatensicherung
Ordnung ist angesagt, und deshalb sollten Dateinamen mit Datum nach einem einheitlichen System vergeben werden. Bei Fotos sollte der Dateiname Rückschlüsse auf den Bildinhalt geben. Eine klare Ordnerstruktur hilft, Chaos zu vermeiden. Man sollte sich nicht nur auf ein Bildverwaltungsprogramm verlassen. Deren Systematik variiert je nach Hersteller und manche werden nicht aktualisiert.
Standardformate bringen Sicherheit. So können Fotos, die im TIFF-Format gespeichert werden, von jedem Programm geöffnet werden. Zudem enthalten sie die kompletten Bildinformationen. Das RAW sollte nicht zur Datensicherung genutzt werden, denn jeder Kamerahersteller hat sein eigenes Format. Auch das weitverbreitete JPEG-Format, das von nahezu allen Programmen gelesen werden kann, bietet sich für die Archivierung nicht an, da die Speicherung verlustbehaftet ist und die Daten komprimiert werden.
Redundant speichern, das heißt, die Fotos auf unterschiedlichen Datenträgern sichern und diese an unterschiedlichen Orten lagern. Mittlerweile versprechen sogenannte RAID-Systeme, die zwei oder mehr Festplatten enthalten und die die Inhalte automatisch duplizieren, eine große Sicherheit.
Internetplattformen bieten eine zusätzliche Sicherheit, sollten aber niemals alleine zur Archivierung herangezogen werden. Zum einen kann es auch dort zu Datenverlusten kommen und zum anderen lässt sich nicht abschätzen, wie lange es das Portal geben wird. Auf die Geschäftsbedingungen ist besonders zu achten, damit man seine Rechte an den Bildern auch behält.
Papierbilder haben je nach Lagerung eine hohe Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Sie bringen Sicherheit und können, wenn die digitalen Bilddateien nicht mehr lesbar sein sollten oder durch einen Datencrash verloren gegangen sind, als Vorlage zur Digitalisierung dienen. Auch individuell gestaltete Fotobücher bieten sich zusätzlich zur Datenarchivierung an. Um die Bilder gegebenenfalls wieder digitalisieren zu können, sollten die Aufnahmen jedoch in einer ausreichenden Größe eingebunden sein.
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