Eine neue Kreativitätswelle schwappt über Deutschland und die Welt. Immer mehr Menschen kommunizieren multimedial. Mit einem Medienmix aus Fotos, Videos und Ton - oftmals ergänzt mit animierten Grafiken und Texten - überschwemmen die neuen Kreativen das Internet.
Noch vor zwei Jahren war die Situation wohl kaum vorstellbar: In einer Sitzungspause scharen sich gestandene Topmanager um ein an die Kaffeetasse gelehntes Mobiltelefon und brüllen vor Lachen. Der Grund für den emotionalen Ausbruch der sonst so seriösen Damen und Herren: Einer der Kollegen hat wieder einmal einen neuen Bauchfell-Stimulator im Internet entdeckt.
Tagtäglich werden neue Mixed-Media-Schöpfungen ins Netz gestellt, millionenfach angeklickt und angeschaut. Das Senden mit der Maus erlebt eine Sonderkonjunktur. Das einfache Verknüpfen, Mischen, Verfremden, Umgestalten und Präsentieren multimedialer Inhalte stimuliert eine kontinuierlich wachsende Gruppe kreativer Freizeitunterhalter, die ihre privaten Mixed-Media-Werke per E-Mail verschicken oder auf öffentlichen Internet-Plattformen wie YouTube, Flickr oder Snapfish der ganzen Welt präsentieren - teilweise mit überraschenden Erfolgen, die sie zum Tagesgespräch nicht nur von Web-Enthusiasten machen.
Alles ist möglich Den entscheidenden Impuls erhielt die neue Kreativitätswelle der Deutschen durch die digitale Revolution und das daraus resultierende Zusammenwachsen der Medien. Fotos, Audio, Video, Grafik und Text können nicht nur mit einem einzigen Gerät erfasst, bearbeitet, präsentiert und übertragen werden. Sie lassen sich auch zu einem gänzlich neuen Medienmix zusammenfügen. Besonders deutlich wird dies auch durch die dynamische Annäherung der Foto- und Videowelt. Verlangten das Foto grafieren und Filmen bis vor kurzem noch nach zwei getrennten Geräten, so werden diese Aufgaben heute von ein und demselben Produkt begrenzt geleistet. Fotokameras können hoch auflösende Filme von limitierter Dauer mit Stereoton aufzeichnen. Mit Camcordern lassen sich Fotos in hoher Qualität schießen - und das sogar während des Filmens. Doch der entscheidende Unterschied in der schönen neuen Medienwelt liegt nicht in der Multifunktionalität der Camcorder und Fotokameras. Es ist vielmehr die Software, die in der Nachbearbeitung den Medienmix möglich macht, sowie die vielfältigen neuen Präsentationsmöglichkeiten.
Mäusekino bis zum Mega-Screen Die Integration großer, farbiger Displays in nahezu alle Geräte der Unterhaltungselektronik, Informationstechnologie oder Telekommunikation hat zu einer ständig wachsenden Funktionsvielfalt geführt. Der Trend zur Mobilität und der Wunsch, Medien überall und jederzeit nutzen zu können, haben wiederum dazu geführt, die multimediale Unterhaltung und Information auch mit mobilen Geräten zu ermöglichen. Vorreiter waren hier in erster Linie die Mobiltelefone, mit denen sich Inhalte verschiedener Formate erfassen, bearbeiten, anschauen, empfangen und versenden lassen. Die ständigen Innovationen und Verbesserungen im Bereich der Displaytechnologien, waren Wegbereiter für das Zusammenwachsen der Medien. Bestimmen heute hoch auflösende Farbdisplays, vom Mäusekino über die immer größer werdenden Flachbildfernseher bis zu den Megascreens für die In- und Outdoor-Werbung, unsere Unterhaltung, so werden es demnächst zusätzlich tapetenartige Wanddisplays und virtuelle Schaufenster sein, die medienübergreifende Unterhaltung und Informationen liefern.
Multimediale Überraschungseffekte Aufmerksamkeit, so behaupten die Medienforscher, sei eines der höchsten Güter der Zukunft. Überraschende Effekte waren daher schon immer ein gern genutztes Mittel, Aufmerksamkeit zu erzielen. Galten vor gar nicht allzu langer Zeit die audiovisuellen Diaschauen mit ihren aufwändig realisierten Überblendeffekten als Nonplusultra der Multimediawelt, so kann das heute jeder Fotograf mit wenigen Mausklicks und der Hilfe von zum Teil als Freeware angebotener Software realisieren. Und er kann noch viel mehr: Er kann Fotos in Filmsequenzen einblenden oder umgekehrt. Dabei lassen sich die Einblendungen mit einer Vielzahl dreidimensionaler Effekte versehen. Fotos lassen sich einfach blättern, zoomen, oder ins Bild schieben und sich einfach einblenden oder überblenden. Die Skala der möglichen Effekte ist schier unendlich und reicht bis zur Animation, in der ein Bild in ein anderes hineinzufliegen scheint. Farbige Texte können an jeder beliebigen Stelle im Bild erscheinen und als Bild- oder Untertitel in jeder Richtung durch das Bild laufen. Farbige Rahmen, eingeblendete Grafiken, die Kombination von Fotos und gezeichneten Bildern und so weiter - das alles sorgt für neue Effekte, die einen gewaltigen Kreativschub in der professionellen und privaten Mediengestaltung und Mediennutzung ausgelöst haben.
Doch das alles ist erst der Anfang. Noch scheinen die Rezepte für den Medienmix ständig an Raffinesse zuzunehmen. Gerade erst kommen die ersten elektronischen Bücher auf den Markt, mit denen man seine ganze Bibliothek ständig abrufbar bei sich tragen kann. Kaum eingeführt, taucht die Frage auf: Warum damit nur Bücher zu lesen sein sollen und nicht auch Zeitungen und Zeitschriften. Warum sollen diese Geräte keine Verbindung zum Internet haben, um neue Inhalte abzurufen. Warum spielen sie keine Musik und warum kann ich nicht beim Lesen fremdsprachiger Bücher als Übersetzungshilfe gleich die Vokabeln nachschlagen oder in der bereits übersetzten Variante nachschlagen? Und dann: Wieso soll ich mit dem Buch denn nicht auch filmen, fotografieren und telefonieren können?
Heute kann jeder sein eigenes multimediales Unterhaltungsprogramm selbst produzieren und über das Internet auch ausstrahlen. Vielleicht gibt es ja demnächst einen neuen Oscar der Unterhaltungsindustrie für das beste Multimedia-Programm: "Gesendet mit der Maus".
pv 42/2009 Weitere Beiträge rund um die Fotografie finden Interessierte auf der Homepage www.prophoto-online.de. 10.12.09 09:26
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