Peter Walz Kommentar - Die Filmindustrie sorgt sich derzeit intensiv um den Rückgang des Filmverbrauchs (zwischen acht bis 20 Prozent) - mit zunehmender Tendenz. Die Vorteile und Bequemlichkeiten des digitalen Bildes sind natürlich: sofortige Verfügbarkeit und Kontrolle des Bildergebnisses direkt auf dem rückseitigen Kameramonitor, Speicherung, Bearbeitung und Ausdrucke mit dem eigenen PC, kein mehrfacher Besuch beim Fotogeschäft für das Abgeben und Abholen der entwickelten Bilder, Betrachtung mittels DVD Player auf dem Fernsehapparat. Aber einen gewissen Anteil am zunehmend rückläufigen Filmverbrauch hat sich die Filmindustrie auch selbst zuzuschreiben. Einige klar in die Zukunft der zumindest hybriden Fotowelt weisenden Konzepte hat man einfach nicht mit dem nötigen Weitblick angepackt. Beispiele:
Es ist still geworden um die Bild CDs, die man zusammen mit der Erst-Entwicklung seines Kleinbildfilms aus dem Fotogroßlabor erhalten kann. Kein Wunder, nimmt sich die Scanauflösung von 1.024 x 1.536 Pixel dieser Foto CDs mit ca. 1,5 Millionen gelieferten Bildpunkten nahezu mittelalterlich gegenüber modernen Digitalkameras aus. Jede Tankstellen-Billig-Digicam bietet inzwischen mehr Bildauflösung. Und da hilft es auch nix - etwa mit einer hochwertigen „Normal“-Kamera auf bestem Filmmaterial zu fotografieren – die auf den Foto-CDs gelieferte Datenmenge beinhaltet bestenfalls nur ein 1/10 der auf dem Film vorhandenen Bildinformation.
Nur die von Kodak so stiefmütterlich behandelte Kodak Photo CD kann – und das über 10 Jahre (!) nach ihrer Erstvorstellung 1992 – bei der Bild-/Scan-Qualität noch immer mithalten. Der Unterschied zu den Foto CDs aus dem Fotolabor besteht bei der Original Photo CD nicht nur in der unterschiedlichen Schreibweise mit oder ohne „F“ bzw. „PH“; sondern in der Dateistruktur, der Scanauflösung und des Farbraumes für die Bildspeicherung. Die Kodak Original Photo CD bietet ein intelligentes ImagePac für die Speicherung der gescannten Bilder in bis zu sechs Auflösungen, Scann-Auflösungen bis 4.096 x 6.144 Pixeln und den genial universellen YCC-Farbraum.
Schon längst hätte also die Scann-Qualität der Foto CDs aus dem Großlabor parallel mit der wachsenden Pixelzahl der Digitalkameras mitwachsen müssen. Zumal die dafür notwendigen Labormaschinen schon vor sechs Jahren vorgestellt wurden. Denn sowohl die Foto/Bild CDs – wie auch die Digitalfotos landen ja auf dem PC und sind sofort gegeneinander vergleichbar. Bildausschnitte und Bildbearbeitungen sind bei den Foto CDs kaum möglich. Paradox bei dieser Entwicklung: selbst der Fotograf mit der Billig-Digicam von Aldi hat dann auf dem PC für die Bearbeitung „bessere“ Bilder verfügbar (weil mehr Bilddaten), als der Fotograf mit der teueren Spiegelreflex-Ausrüstung, hochwertigem Film und viel zu gering auflösender Digitalisierung auf Foto CD. Hier hat sich die Fotoindustrie in eine selbst gestellte Falle begeben.
Natürlich kann man seine Filme (Negative und Dias) auch selbst scannen. Die bei den Top Filmscannern aktuell angebotene Auflösung liegt bei 4.000 dpi, was je nach Kompression zwischen 20 und 40 MB Bilddaten pro Kleinbildaufnahme bringt. Doch jeder der sich damit bereits intensiv befasst hat weis, dass dies – soll es nicht ein Fulltime-Laborjob werden - stets nur auf Einzelfälle begrenzt bleiben wird. Alle seine Aufnahmen selbst kontinuierlich wegzuscannen – das schafft man kaum: das bleibt eine Finishing-Aufgabe, das kann ein Einzelfotograf kaum leisten, egal ob engagierter Amateur, Berufsfotograf oder wissenschaftlich/technischer Bildanwender. Fazit: trotz bester Scanleistung (incl. moderner Bildfehler-Reparatursoftware gegen Kratzer/Fussel/Farbverfälschungen) bleibt das Scannen von Filmen eine Einzelaktion.
Wenn also jetzt die Filmhersteller den Rückgang des Filmverbrauches so vehement beklagen – so liegt es sicher auch daran, dass keine „modernen“ Konzepte für den Übergang von analog zu digital für den Film bereitgestellt wurden. Beispielsweise gibt es immer noch keinen hochwertigen „Digifilm“ – also einen Film bei dem automatisch nach der Entwicklung automatisch eine hochauflösende CD mit allen Bilddaten erstellt und mitgeliefert wird. Bei dem diese Dienstleistung im Filmpreis enthalten ist. Und bei der vielleicht sogar wahlweise die Bilddaten dieses „Digifilm“ sofort nach der Entwicklung – in der bestmöglichen Scanauflösung – im Internet bereit stehen. Auf Prints könnte man dann ja sogar verzichten und auch noch auf das mühselige Abholen der Negative im Fotogeschäft. Der Filmpreis beinhaltet die (per Post zurückgeschickte CD) oder - noch moderner - die Speicherung der Bilddaten für den eigenen Download im Internet. Bei jedem Film wird eine Versandtüte für die ebenfalls vorausbezahlte Filmentwicklung bei und aus der ehemaligen Abholnummer wird das Zugangskennwort zum geschützten Bereich der passwortgeschützten Internetspeichers für diese Bilder.
Top-Manager führender Filmhersteller – von der Redaktion von image-scene noch vor einiger Zeit auf derartige (Zukunft)Konzepte und ihre Chancen angesprochen – quittierten diese Ideen nur mit wirrem Lachen und der Feststellung: „Das können wir unseren Händlern nicht zumuten!“ Vielleicht kann man ja den Aktionären die Kursverluste der Aktien leichter zumuten?
Peter Walz
25.12.03 14:08
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